{"id":446,"date":"2024-02-15T11:18:00","date_gmt":"2024-02-15T11:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wb.denkanross.dev\/?p=446"},"modified":"2025-03-24T12:31:18","modified_gmt":"2025-03-24T12:31:18","slug":"wie-deutsche-mittelstaendler-erfolgreich-in-indien-wachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wb.denkanross.dev\/de\/blog\/wie-deutsche-mittelstaendler-erfolgreich-in-indien-wachsen\/","title":{"rendered":"Wie deutsche Mittelst\u00e4ndler erfolgreich in Indien wachsen"},"content":{"rendered":"\n<p>Ganz nebenbei l\u00e4sst Manojit Acharya eine Bemerkung fallen, die man so in Deutschland aktuell niemals h\u00f6ren w\u00fcrde. \u201eIn meiner Arbeitszeit werde ich das Ende des Wachstums nicht mehr erleben\u201c, sagt der indische Managing Director des Gabelstaplerproduzenten Jungheinrich. Seit 2015 baut der 53-J\u00e4hrige f\u00fcr das Hamburger Traditionsunternehmen in Mumbai das Business auf. Wie deutsche Firmen ticken, wusste der Ingenieur gut. Zuvor hatte er bereits gut 16 Jahre f\u00fcr die Demag im benachbarten Pune gearbeitet. Acharyas Erfolgsbilanz l\u00e4sst sich sehen. 2023 ist die Indien-Tochter zum vierten Mal umgezogen, vergr\u00f6\u00dferte ihren Standort mit Lager, Werkst\u00e4tte und Verwaltung von anfangs 450 sukzessive auf jetzt 7000 Quadratmeter. Zwischen 2014 und 2023 wuchs der Umsatz um das Achtfache. \u201eSolch eine Dynamik haben wir weltweit noch nirgendwo erreicht\u201c, schw\u00e4rmte Jungheinrichs Vertriebsvorstand Christian Erlach beim letztj\u00e4hrigen Logistik-Kongress in Berlin. Bei seinem Besuch in Mumbai habe er eine positive Energie im Raum gesp\u00fcrt, wie er sie noch nie erlebt habe.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Im Asien-Pazifik-Raum gl\u00e4nzt Indien mit besten Bewertungen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Indien punktet und sorgt f\u00fcr so viele Schlagzeilen wie lange nicht. \u201eThis is India\u2019s Moment\u201d, ist Premierminister Narendra Modi \u00fcberzeugt. \u201eWird Indien das neue China?\u201c, fragen sich die Medien, seitdem Indien China als bev\u00f6lkerungsreichstes Land der Erde abgel\u00f6st hat. 44 Prozent der Inder seien j\u00fcnger als 25 Jahre, betont Dirk Matter, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Deutsch-Indischen Handelskammer in D\u00fcsseldorf. Dieses riesige Arbeitskr\u00e4ftepotenzial sei jedoch Fluch und Segen zugleich. Denn Premier Modi m\u00fcsse pro Monat 1,4 Millionen junge Schul- und Hochschulabg\u00e4nger auf dem Arbeitsmarkt unterbringen. Gelingt das auf Dauer nicht, k\u00f6nnte das den sozialen Frieden bedrohen. Doch erst einmal fiel die Nachricht vom Bev\u00f6lkerungsrekord in eine f\u00fcr das Land gute Zeit. Mit stabilen Wachstumsraten von um die sieben Prozent kann keine andere gro\u00dfe Wirtschaftsnation gl\u00e4nzen. Die f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft, die 2023 erstmals den G20-Gipfel ausrichtete, wusste das Treffen gut zu nutzen, um den Standort \u2013 noch dazu im Vorfeld der Parlamentswahlen 2024 \u2013 in Szene zu setzen. Mit Deutschland, seinem wichtigsten Handelspartner in der EU, vermeldete Indien einen Rekord beim Austausch von Waren (2022: 31,4 Milliarden US-Dollar). Auch beim im November 2023 pr\u00e4sentierten World Business Outlook der Deutschen Handelskammern erreichte der Subkontinent im Vergleich mit allen L\u00e4ndern im Asien-Pazifik-Raum die besten Bewertungen bei der aktuellen Gesch\u00e4ftslage, den Gesch\u00e4ftserwartungen sowie Investitions- und Gesch\u00e4ftsabsichten. Am st\u00e4rksten investieren die Deutschen derzeit in die Produktion (60 Prozent), Vertrieb und Vermarktung (40 Prozent) sowie Forschung und Entwicklung (35 Prozent).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kluge Strategien gefragt trotz guter Rahmenbedingungen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ein Selbstl\u00e4ufer ist der Erfolg f\u00fcr deutsche Unternehmen vor Ort trotzdem nicht, selbst wenn sie wie Jungheinrich von f\u00fcr das Unternehmen g\u00fcnstigen Gesetzen profitieren, etwa von der Goods and Services Tax (GST), die eine Vielzahl verschiedener Steuern ersetzte und damit einen einheitlichen Binnenmarkt, einfachere Steuererkl\u00e4rungen und transparentere Gesch\u00e4fte erm\u00f6glichte. Nach Wegfall der Z\u00f6lle an den Grenzen der Bundesstaaten ersetzte die verladende Wirtschaft viele kleine L\u00e4ger durch sehr gro\u00dfe. Und da waren Gabelstapler gefragt. \u201eUm die K\u00e4ufer an uns zu binden, haben wir ein sehr enges Netz an Standorten f\u00fcr den Kundendienst in allen Wirtschaftsmetropolen gekn\u00fcpft\u201c, erkl\u00e4rt Acharya. Zudem startete er u.a. den Verkauf von Regalen. \u201eSo bieten wir dem Kunden alles aus einer Hand an.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Typisch deutscher Indien-Aufstieg<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Jungheinrich alle Fahrzeuge aus internationalen Werken, \u00fcberwiegend aus China, nach Indien importiert, ging die Boellhoff Fastenings Pvt Ltd, Tochter des Bielefelder Spezialisten f\u00fcr Verbindungselemente, Montagetechnik und Verarbeitungssysteme, einen Schritt weiter \u2013 und vollzog einen f\u00fcr deutsche Unternehmen typischen Indien-Aufstieg: langsam und bed\u00e4chtig. 2007 mit einem reinen Vertrieb gestartet, um die Akzeptanz der Produkte vor Ort zu testen, startete das 1877 gegr\u00fcndete Familienunternehmen mit heute mehr als 3300 Besch\u00e4ftigten und 783 Millionen Euro Umsatz (2022) sp\u00e4ter eine kleine Produktion, bevor die Indien-Tochter 2019 in Gurugram im Gro\u00dfraum Delhi eine gr\u00f6\u00dfere Fabrik er\u00f6ffnete. Auf vier Etagen arbeiten heute 80 Besch\u00e4ftigte in der Verwaltung, der Produktion und im Lager. Im \u201eKlassenraum\u201c, so hei\u00dft der gro\u00dfe Schulungsraum, dr\u00fccken alte und neue Mitarbeitende regelm\u00e4\u00dfig die Schulbank, um die hohen Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche der deutschen Unternehmensmutter zu erf\u00fcllen. Das hat sich ausgezahlt. \u201e90 Prozent der indischen Autos etwa nutzen in der Produktion Verbindungstechnik von B\u00f6llhoff\u201c, sagt Managing Director Shiv Kumar. Zuletzt erzielte die indische Tochter einen Umsatz von umgerechnet 8,3 Millionen Euro, 36 Prozent mehr als im Jahr 2022. Noch kann das Unternehmen auf bestehender Fl\u00e4che expandieren. Braucht es mehr Raum, bieten die Industriegebiete rund um die Hauptstadt ausreichend M\u00f6glichkeiten. \u201e2025 werden wir gegebenenfalls eine weitere Fabrik in Gurugram bauen\u201c, so Kumar.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hilfe von externen Experten ist unerl\u00e4sslich<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Trotz zahlreicher Fortschritte, insbesondere bei der Digitalisierung von Zahlungsvorg\u00e4ngen und Gesch\u00e4ftsabl\u00e4ufen, etwa der Abgabe von Steuererkl\u00e4rungen, gilt Indien nach wie als schwierig, kompliziert und b\u00fcrokratisch. Wie viele deutsche Unternehmen holt sich deshalb auch Boellhoff Hilfe von au\u00dfen. Wamser + Batra unterst\u00fctzte die Westfalen bei der Suche nach einem indischen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, optimierte alle Vertr\u00e4ge, erbringt administrative Arbeiten, baute eine eigene Verwaltung und begleitet Corporate Compliance Themen. Wie Boellhoff bietet die bayerische SFC Energy AG ihre Wasserstoff- und Methanol-Brennstoffzellen f\u00fcr station\u00e4re und mobile Hybrid-Stromversorgungsl\u00f6sungen \u00fcber indische&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vertriebspartner den indischen Kunden an. \u201eK\u00fcnftig werden wir allerdings auch vor Ort produzieren und einen gro\u00dfen Teil der Vorprodukte lokal einkaufen\u201c, sagt der General Manager f\u00fcr Indien, Thomas Martensmeier. Er folgt damit einer Vorgabe der indischen Regierung, die die Vergabe von staatlichen Auftr\u00e4gen im Rahmen ihres Make-in-India-Programms verst\u00e4rkt an die Produktion vor Ort kn\u00fcpft. Trotz jahrelanger Indien-Expertise sind jetzt so manche b\u00fcrokratischen H\u00fcrden zu nehmen. Um die Energie und Management-Kapazit\u00e4ten auf das eigentliche Gesch\u00e4ft zu fokussieren, hat SFC in Indien von Anfang an lokale Dienstleister gesetzt. Ein Personalberater k\u00fcmmert sich um die Rekrutierung von qualifiziertem Personal, ein anderer Dienstleister um Steuern und die Buchhaltung. \u201eOhne Consultants w\u00fcrden wir viel zu viel Zeit verlieren\u201c, sagt Martensmeier.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ausreichend Platz f\u00fcr Expansion<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Auch wenn der indische Markt nicht einfach ist, bauen die deutschen Unternehmen laut Stefan Halusa, ihr Engagement kr\u00e4ftig aus. \u201eVor allem das robuste Wirtschaftswachstum und die hohen staatlichen Investitionen in die physische und digitale Infrastruktur stimmen die Firmen optimistisch\u201c, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Indo German Chamber of Commerce. Davon profitieren nicht nur deutsche Konzerne wie Airbus und Siemens Mobility, die 2023 Milliarden-Auftr\u00e4ge f\u00fcr Flugzeuge und Loks erhielten. Auch beim deutschen Mittelstand stehen die Zeichen auf Expansion. Und wie Boellhoffs Indien-Chef Kumar haben die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer klug vorgebaut. Im Osten Mumbais, der zweitgr\u00f6\u00dften Megacity des Landes, etwa sitzt die Fabrik des Hamburger Klimaanlagenspezialisten Stulz. Von seinem Arbeitszimmer hat Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Suresh Balakrishnan einen unverbaubaren Blick auf eine gro\u00dfe Brache. Schon bald werden die Bagger anr\u00fccken. F\u00fcr 15 Millionen Euro l\u00e4sst Balakrishnan eine f\u00fcnfte Fabrikhalle bauen, wird so die Kapazit\u00e4t verdoppeln und die Zahl der Besch\u00e4ftigten von 800 auf 1000 erh\u00f6hen. Dass noch viel Luft nach oben ist, glaubt auch Oliver Mirza, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Dr. Oetker India Pvt. Ltd. 2008 hat er f\u00fcr den Bielefelder Nahrungsmittelkonzern die indische Tochter gegr\u00fcndet und zum drittgr\u00f6\u00dften Werk im internationalen Oetker-Verbund gemacht. In der Region Asien, Australien, Afrika gl\u00e4nzt Indien mit dem h\u00f6chsten Umsatz, \u00fcberholte j\u00fcngst Australien \u201eVon zuletzt 35.000 Tonnen j\u00e4hrlich k\u00f6nnte die Produktion auf dem Grundst\u00fcck noch bis auf 200.000 Tonnen hochgefahren werden. Wir k\u00f6nnen die Nachtschicht einf\u00fchren, neue Maschinen anschaffen und Platz f\u00fcr neue Hallen ist auch noch da.\u201c&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Neue Herausforderungen und Chancen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wer in Indien erfolgreich sein will, braucht Geduld, viel Geduld. Trotz des riesigen Angebots an Arbeitskr\u00e4ften ist es nicht einfach, qualifizierte Besch\u00e4ftigte zu finden und dann vor allem auch zu halten. Denn Inder wechseln schnell den Job, wenn anderswo mehr Geld oder Vorteile locken. \u201eF\u00fcr manche Positionen ist es schwieriger geworden, die richtigen Leute zu finden. Das braucht Zeit\u201c, beobachtet Kumar von Boellhoff. Auch den stark hindunationalistischen Kurs der Regierung in dem Land mit der laut Wikipedia weltweit drittgr\u00f6\u00dften muslimischen Bev\u00f6lkerung sehen viele Unternehmer mit Sorgen. In ihren mit vielen Religionen besetzten Belegschaften spielt f\u00fcr sie die Qualifikation, nicht die Religion die entscheidende Rolle. Auf der Wunschliste deutscher Investoren steht seit Jahren ein Freihandelsabkommen. In einer Umfrage der AHK Indien mit der AHK Singapur h\u00e4tten 90 Prozent der Unternehmen gesagt, dass ein Freihandels- und Investitionsschutzabkommen zwischen der EU und Indien wichtig bis sehr wichtig f\u00fcr ihr Gesch\u00e4ft sei, betont Halusa, der allerdings vor der Wahl im Mai 2024 mit keinen Fortschritten mehr rechnet. Last but not least bringen neue Gesetze neue Probleme. \u201eEs gibt immer noch gro\u00dfe Teile der indischen Industrie, die das Thema Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gar nicht auf dem Monitor haben\u201c, sagt Halusa. Die AHK habe viele Veranstaltungen dazu gemacht, u.a. mit den Konsulaten, der Botschaft, mit indischen Kammern und Verb\u00e4nden. Letztlich werde das Gesetz aber auch weiterhin als Handelsbeschr\u00e4nkung wahrgenommen und so interpretiert, dass Europa Produktion zur\u00fcckholen will. Trotz aller Herausforderungen punktet die drittgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft Asiens mit einem unschlagbaren Vorteil: Jungheinrich-Vorstand Erlach: \u201eEs gibt keinen Grund, sich aus China zur\u00fcckzuziehen, aber Indien lockt mit riesigem Marktpotenzial. Dazu tr\u00e4gt auch das starke Bev\u00f6lkerungswachstum bei.\u201c&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Seien Sie Teil dieser dynamischen Entwicklung und nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Artikel wurde von Frau Eli Hamacher im Auftrag von WB erstellt. Ausgangspunkt des Artikels ist eine Recherche-Reise nach Indien zur aktuellen Wirtschaftslage aus der Sicht von dt. Firmen vor Ort.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz nebenbei l\u00e4sst Manojit Acharya eine Bemerkung fallen, die man so in Deutschland aktuell niemals h\u00f6ren w\u00fcrde. \u201eIn meiner Arbeitszeit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":447,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[97],"tags":[30,28,63,65,64],"expertiese-category":[7],"class_list":["post-446","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommentar","tag-beratung","tag-indien","tag-mittelstaendler","tag-strategien","tag-wachstum","expertiese-category-strategie"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v25.2 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Erfolgreich in Indien: Wie deutsche Mittelst\u00e4ndler wachsen - Wamser + Batra<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Wie k\u00f6nnen deutsche Mittelst\u00e4ndler in Indien erfolgreich wachsen? 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